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Mehr Abwechslung: Durchstarten als Trainee
Immer mehr Firmen bilden ihren Führungsnachwuchs in Traineeprogrammen selbst aus. Die Trainees dürfen sich gleich in mehreren Abteilungen ausprobieren – und rausfinden, welcher Job wirklich zu ihnen passt. forum stellt die Programme von Top-Unternehmen vor.
Ausprobieren, was zu einem passen könnte
und am Ende wählen, was am besten gefällt.
Als Roland Saxer begann, Mathematik zu studieren, war ihm nur klar, dass er sich für Zahlen und Logik interessiert, für Modelle und Simulationen. Also all das, was andere als trockenen Kram bezeichnen. Als er 2004 seinen Abschluss in der Tasche hatte, war ihm immer noch nicht klar, was er damit werden könnte. Lehrer vielleicht?
Heute arbeitet Roland Saxer bei den Basler Versicherungen, als Assistent des CEO für den Konzernbereich Schweiz (mehr über ihn und weitere Trainees ab Seite xy). Zuvor hat er das Traineeprogramm absolviert und 15 Monate lang an Projekten mitgearbeitet, eine Intranet-Plattform aufgebaut, die Entwicklung eines Computerprogramms für den Aussendienst begleitet und ein Simulationsmodell für das Risikomanagement der Versicherung programmiert. „Mir war klar, dass ich nach meinem Abschluss ein Traineeprogramm machen würde. Das Mathematikstudium ist einfach zu allgemein“, sagt der 27-Jährige. „Dass es eine Versicherung wurde, war reiner Zufall.“ Gereizt hat ihn daran vor allem die Verbindung von Mathematik und Wirtschaft. Die Zahlen bekamen so plötzlich einen Sinn.
Firmenspezifisches Wissen lernen
Mit Traineeprogrammen versuchen immer mehr Schweizer Unternehmen, ihren Nachwuchs für den Job fit zu machen. „Die Idee, neben dem Direkteinstieg auch Traineestellen anzubieten, hat sich inzwischen in weiten Teilen der Wirtschaft durchgesetzt“, sagt Prof. Norbert Thom, vom Institut für Organisation und Personal der Uni Bern. Vorreiter war dabei die in der Schweiz traditionell starke Finanzbranche. Inzwischen finden sich Traineestellen in fast allen Branchen – ob in Industrie, Handel oder Dienstleistungsunternehmen. Nicht, weil die Universitäten immer schlechter ausbilden. „Methodisch und konzeptionell sind die Absolventen hervorragend“, sagt Thomas Keller, Leiter Personalgewinnung bei PostFinance. Inzwischen sind viele Aufgaben aber so speziell geworden, dass die Experten rar sind auf dem Arbeitsmarkt. Über Traineeprogramme bringen die Unternehmen den Absolventen das firmenspezifische Wissen bei und fördern damit ihren künftigen Führungsnachwuchs. So lernen die Unternehmen die Talente ihrer Mitarbeiter besser kennen – und die Neueinsteiger gleich das ganze Unternehmen.
Die Vorteile eines Traineeprogramms
- Überblick: Trainees lernen die ganze Firma kennen und nicht nur einen kleinen Bereich.
- Orientierung: Trainees können herausfinden, welcher Job am besten zu ihnen passt.
- Seminare: Die Weiterbildung ist gleich integriert, das bringt fachlich und persönlich weiter.
- Netzwerke: Von Anfang an lernen Trainees Kollegen und die anderen Trainees kennen – Kontakte, die später unbezahlbar sind.
- Karriere: Firmen sehen in Trainees ihren Führungsnachwuchs. Wer mal hoch hinaus will, ist hier richtig.
Herausfinden, was zu einem passt
„Viele Absolventen haben sich nach ihrem Studium noch nicht wirklich festgelegt, in welche Richtung sie gehen möchten“, weiss auch Nicole Reber-Sacha, Traineeverantwortliche beim Telekommunikationskonzern Swisscom. „Für diese ist solch ein Traineeprogramm ideal: Sie können in mehreren Bereichen arbeiten – und herausfinden, welcher Job wirklich zu ihnen passt.“ Die Programme dauern zwischen acht und 18 Monaten und umfassen meist drei bis vier Stationen in verschiedenen Abteilungen der Firma. Hinzu kommen begleitende Seminare, in denen von Personalführung über Präsentationstechnik bis zu Projektmanagement alles Wichtige vermittelt wird, das später für den Job wichtig ist. Und das man auf einer Uni meist nicht lernen kann.
Delia Spazzini zum Beispiel arbeitete in ihrer Traineezeit bei Ikea im Marketing, dem Kundenservice und der Logistik mit, obwohl für sie relativ schnell klar war, dass sie in den Verkauf gehen wollte. „So lernt man aber alle angrenzenden Fachbereiche und auch die Kollegen kennen, mit denen man später einmal zu tun haben wird“, sagt sie. Heute leitet sie ihr eigenes Verkaufsteam im Ikea in Dietlikon bei Zürich – und hat täglich auch mit dem Marketing und der Logistik zu tun.
Datum: 3/2007
Autor: Mathias Menzel
weiter: Das Ziel vor Augen
Übersicht Heft 1/2007
