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Studieren in Japen: Erfahrungsbericht

Susanne König studierte an der Georg-August-Universität Japanologie und Allgemeine und indogermanische Sprachwissenschaft. Für ein Auslandsstudium ging sie ein knappes Jahr nach Japan.
Susanne König

Susanne König

„Von Oktober 2003 bis September 2004 studierte ich an der Universität Chiba, der Partneruniversität der Universität Göttingen. Ich hatte das grosse Glück, ein Vollstipendium der japanischen Regierung zu erhalten. Da die Lebenshaltungskosten in Japan nach wie vor hoch sind, sollte sich jeder vorab Gedanken über die Finanzierung seines Aufenthaltes machen. Vor allem im ersten Monat fallen zahlreiche Ausgaben an, wie das einmalige Einzugsgeld, Miete, Studienliteratur und Telefongebühren. Wer während seines Aufenthaltes auf Reisen, Museums- und Kinobesuche nicht verzichten will, sollte monatlich etwas 1.500 Euro einplanen. Da es ausländischen Studierenden neben dem Studium möglich ist, einige Stunden zu jobben, bessern viele ihr ‚Taschengeld’ auf, vor allem mit Sprachunterricht.

Sprachliche Anforderungen

Welche Sprachkenntnisse sind für einen Aufenthalt in Japan notwendig? Den meisten Nutzen und die wenigsten Depressionen haben wohl all jene, die über das Anfängerstadium hinaus sind und den Alltag meistern können. Doch generell würde ich einen Studienaufenthalt allen empfehlen, die sich dazu bereit fühlen.

Bevor man sich entschliesst, ein Jahr in Japan zu leben, ist es empfehlenswert, das Land vorab zu bereisen, um erste Eindrücke von Japan zu bekommen und um sich an das Essen gewöhnen zu können. Ich habe viele ausländische Studierende erlebt, die Probleme mit dem japanischen Essen hatten, da sie es nicht gewohnt waren, vor allem über eine so lange Zeit. Aber wem das Essen erst einmal schmeckt, dem gefällt es doch überall, oder?

Umfangreiches Arbeitspensum

Ein Jahr Auslandsstudium klingt zwar lang, doch da man nur in den Ferien und an den Feiertagen reisen kann – schliesslich ist man ja zum Studieren nach Japan gekommen – ist die Zeit recht knapp bemessen. An der Universität Chiba war eine Mindestanzahl von Kursen vorgeschrieben, die mit Klausuren oder Hausarbeiten erfolgreich abzuschliessen waren. Der Unterricht bestand aus Sprachkursen (Anfänger, Mittelstufe, Fortgeschrittene), Seminaren über Land und Leute sowie den eigentlichen Seminaren in den jeweiligen Fakultäten. Hinzu kam eine Forschungsarbeit auf Japanisch, die am Ende des Sommersemesters einzureichen war.
Die ersten drei Monate waren extrem anstrengend. Nach sechs Monaten hatte ich mich eingelebt, nach einem Jahr fand ich mich richtig gut zurecht, aber da hiess es auch schon wieder Koffer packen, um nach Deutschland zurückzukehren.
Von Vorteil für den weiteren Verlauf des Studiums ist es natürlich, wenn man sich die im Ausland erbrachten Leistungen an der deutschen Heimatuniversität anrechnen lassen kann.

Kontakte knüpfen

Japanische Studierende engagieren sich oftmals in den Sportclubs, Kunstzirkeln  oder Ähnlichem der Universitäten. Allerdings findet man als Nichtjapaner nur schwer Anschluss.
Gute Kontakte dagegen kann man in den deutschen Fakultäten knüpfen, wo deutschsprachige Sprechpartner sehr begehrt sind. Ausserdem bekam an der Universität Chiba jeder von uns einen japanischen Tutor zur Seite gestellt, Studierende, die uns ein Jahr begleiten und in jeder Lebenslage, ob im Studium oder privat, zur Seite stehen. Einige hatten mit ihren Tutoren Glück, andere wiederum Pech.
Um Einblick in das japanische Familienleben zu bekommen, vermittelte die Universität Chiba kurze Homestay-Besuche. Auch verschiedene Organisationen bieten während der Ferien solche Homestay-Programme an, die in der Regel zwei Wochen dauern. Reisekosten und Verwaltungsgebühr sind allerdings selbst zu tragen.

Ein Studium in Japan bringt einen fachlich und sprachlich voran. In erster Linie spricht für einen Auslandsaufenthalt die persönliche Weiterentwicklung, sozusagen der Blick über den eigenen Tellerrand. Je exotischer das Land, das es zu entdecken gibt, desto grösser das Abenteuer, vorausgesetzt man ist neugierig und flexibel. Also nehmt so viel mit wie nur geht, schlafen könnt Ihr zu Hause!“

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